Plenty More - mehr Swing, Musik und Tanz: Jazzgeschichte(n)

Thomas Wright Waller

Thomas Wright Waller? Den meisten ist er wohl besser bekannt als Fats Waller (1904–1943). Er war Musiker, Sänger, Songwriter und Komponist.

Seinen Spitznamen „Fats“ (wegen seines stattlichen Umfangs) erhielt er von der weißen Zuhörerschaft. Seine Musik war lebensfroh, groß und überschäumend. Waller perfektionierte den sogenannten Harlem Stride Piano-Stil und gilt als einer der wichtigsten Pioniere der Swing-Ära. Seine Kompositionen wie „Ain’t Misbehavin'“ und „Honeysuckle Rose“ sind Jazzstandards. „Ain´t Misbehavin`“ wurde 1929 von Waller und Harry Brooks in New York komponiert, der Text stammt von Andy Razaf. Die Melodie des Songs stand laut Texter Andy Razaf innerhalb von 45 Minuten, wohl auch, weil ihm, also Waller dabei eine Flasche Whiskey half. Razaf erzählt auch, dass die Redewendung „Ain´t Misbehavin“ von Waller immer genutzt wurde, wenn er Gegenstand einer Diskussion war. Dann habe er sich Schulterzuckend umgedreht und gesagt „I ain´t misbehavin`“, was so viel heiß wie „Ich tu keinem was“.

Wallers musikalisches Zuhause war der Harlem Stride Piano-Stil, ein rasanter und rhythmisch treibender Klavierstil, der den Übergang vom frühen Jazz zum Big-Band-Swing maßgeblich prägte. Dieser Stil verdankte seine Entstehung u.a. den sog. Rent Partys (Miet-Partys) der 1910er und 1920er Jahre. Da die Mieten besonders für afroamerikanische Menschen in New York oft nicht erschwinglich waren, veranstalteten sie Partys in ihren Wohnungen, nahmen Eintritt und verkauften Alkohol und selbstgemachte Speisen. Aus den Einnahmen der Rent Partys bezahlten sie dann die Miete.
Da kein Platz für eine ganze Band war, musste ein einziger Pianist die Power und den Groove eines ganzen Orchesters liefern. Waller, zusammen mit Meistern wie James P. Johnson, perfektionierte den Stride, bei dem die linke Hand virtuose Bassläufe und Akkorde spielte, um einen unerbittlichen, tanzbaren Rhythmus zu erzeugen. Die Rent Partys waren ein kultureller Knotenpunkt für Musizierende und Tanzende und trugen maßgeblich zur Entwicklung des Lindy Hop und anderer Swing-Tänze bei. Unsere heutigen Socialdances sind damit kaum zu vergleichen.

Bereits als Teenager begann Waller mit Plattenaufnahmen, arbeitete mit einer beeindruckenden Liste von Künstler:innen zusammen und inspirierte sie. Dennoch blieb die Wahrnehmung seiner Kunst ambivalent: Viele sahen in seinem überschwänglichen Humor eine Rolle, die der weißen Hörerschaft entgegenkam und sein musikalisches Können manchmal in den Hintergrund drängte.

Auf dem Foto seht ihr Thomas Waller and His Rhythm bei einer Aufnahmesession in den Victor Studios, New York, 13. Juli 1932
Von links nach rechts: Maurice Waller (Sohn von Thomas Waller), Thomas „Fats“ Waller, Mann (nicht identifiziert), John Hamilton, Cedric Wallace, Gene Sadric, Arthur Trappier (Drums) und Al Casey

Eine sehr ruhige Version von "Ain´t misbehavin`" hören wir hier von Ella Fitzgerald und Count Basie. Ein ganz anderer Vibe, der in dieser Version rüber kommt.

Jazzstandards gehen immer! Das dachte sich auch Rod Stewart. Jep, der Sänger mit der Reibeisenstimme. Eine sehr beschwingte und bouncige Version.

Meine Lieblingsversion ist von Django Reinhardt. Vielleicht, weil ich selbst mal Violine gespielt habe und dieses Instrument hier schön zu hören ist.

Ella...

Einmal im Jahr mache ich für Interessierte einen Swing-Adventskalender - den Swingelbells Adventskalender. Immer, wenn ich an Weihnachten denke, habe ich diesen einen Song im Kopf: "Let it snow! Let it snow! Let ist snow!" gesungen von Ella Fitzgerald. Dabei ist es auch völlig egal, ob ich im Sommer gerade schwitzend am Altonaer Balkon das Leben genieße oder im Winter im Keller nach dem Weihnachskram suche.

Als Teenager veränderte Ella Fitzgerald den Lauf ihres Lebens - und der Musikgeschichte. Im Alter von 17 Jahren war sie verwaist und obdachlos, nachdem sie kurz zuvor aus einer düsteren Erziehungsanstalt im New Yorker Hudson Valley ausgebüxt war. Zurück in ihrer Wahlheimat Harlem tanzte sie an Straßenecken Stepptänze, um Geld zu verdienen. Sie träumte davon, professionell zu tanzen. Als das berühmte Apollo-Theater in Harlem mit seinen 1.500 Plätzen erstmals eine Amateurnacht veranstaltete, ging Ella Fitzgerald mit zwei Freundinnen dorthin und sie warfen ihre Namenszettel in den Hut der möglichen Darsteller:innen. Doch als ihr Name aufgerufen wurde, sollte sie einem beeindruckenden Stepptanz-Duo folgen. Spontan griff sie bei ihrem ersten Bühnenauftritt auf einen Ausweichplan zurück: Gesang.
Vor einem tobenden Publikum begann die künftige "First Lady of Song" eine der Lieblingsmelodien ihrer Mutter zu trällern: "Judy" von den Boswell Sisters. Moderator Ralph Cooper ermutigte sie, noch einen Song zu singen. Fitzgerald verblüffte das Publikum mit ihrem drei Oktaven umfassenden Tonumfang und erhielt den 25-Dollar-Preis, nachdem sie als Zugabe ein weiteres Lied der Boswell Sisters gesungen hatte. 

Ein Jahr später wurde sie Mitglied der Band von Chick Webb. Der Beginn einer beispiellosen Karriere, mit über 40 Millionen verkauften Jazz-Alben. Im Jahr 1958 wurde die "Queen of Jazz" die erste schwarze Künstlerin, die einen Grammy gewann - und 12 weitere erhielt.

Es ließe sich so viel zu ihr erzählen... aber vielleicht habt ihr selbst Lust, mal ein wenig das Internet leer zu lesen. Und wenn ihr damit fertig seid, gibt es noch ein Video-Schmankerl hinterher ;o)

William Henry Webb

Duke Ellington schrieb in seinen Memoiren „Music is my Mistress“ über William Henry „Chick" Webb: „The reason why Chick Webb had such control, such command of his audiences at the Savoy Ballroom, was because he was always in communication with the dancers and felt the way they did.“


Chick Webb und sein Orchester waren die Hausband im Savoy Ballroom, dem berühmtesten Ballsaal der Swing-Ära. Bis zu 4.000 Besucher:innen – Schwarze und auch Weiße – tanzten zu den neuen Rhythmen des Jazz.


Geboren wurde er am 10. Februar 1905 in Baltimore/Maryland und wurde keine 1,50 Meter groß. Daher sein Spitzname: „Chick“ = „Kleiner". Live versetzte Chick Webb die Jazzwelt in Erstaunen, denn seine Band war gut gedrillt, so dass aus der Vielstimmigkeit des New Orleans Jazz eine deutlich gestraffte Stimmverteilung entstandt. 1936 ging Ella Fitzgerald mit Chick Webbs Band zum ersten Mal auf Tour durch den rassistisch geprägten Süden der USA.

Chick Webb, von Wegbegleiter:innen oft als ungeheuer willensstarker Mann beschrieben, wurde der erste „König des Swing“. Er verstarb sehr jung und wurde nur 34 Jahre alt. Nach seinem Tod übernahm Ella Fitzgerald sein Orchester, jedoch nur für zwei Jahre, da sie keine Noten lesen konnte. Sie widmete sich ab 1941 ihrer Solokarriere.

Eine Tänzerin mit Swingtanzpose vor einer Backsteinwand

DTB Kursleiterin Fit mit LineDance (2022)

Und zack, eine Weiterbildung mit sehr frühem Aufgestehe und vielen, vielen, vielen Tänzen später bin ich dann auch schon "DTB Kursleiterin Fit mit LineDance". 
Für Swingtanzlehrer:innen gibt es keine standardisierte Ausbildung wie bspw. für ADTV-Tanzleher:innen. Das ist einerseits gut, denn durch solche Ausbildungen werden Tänze in ein Korsett gedrückt oder auch neu erfunden. Stichwort "Jive" oder "Mambo" - Jive soll angeblich ein Lateintanz sein und Mambo ist Samba,  heißt aber anders... Andererseits kann sich jede:r als Swingtanzleher:in bezeichnen, egal, ob die Person seit einem Tag oder seit einem Jahrzehnt Swingtänze tanzt. Ich habe vor meinem Leben mit Swingmusik schon Standard- und Lateintänze vertanzt. Aber was heißt das schon. Seitdem ich in der Swingwelt bin, besuche ich regelmäßig Workshops, sauge alle Anleitungen auf, frage Lehrer:innen aus und besuche Weiterbildungen. Zugute kommt mir wohl auch, dass ich seit Teenagertagen anderen etwas beibringe, sei es in Seminaren bei der Jugendfeuerwehr, als Tutorin für Soziologiekurse, als wissenschaftliche Mitarbeiterin an Unis. Alles ein stetiger Lernprozess auf beiden Seiten. Mal schauen, welche Weiterbildung ich als Nächstes besuche.

Hier geht es zu kleinen Videoanleitungen, die ich am Beginn der Coronapandemie für Schüler:innen aufgezeichnet habe:

Taktgefühl

69 Genvarianten beeinflussen unser Taktgefühl und Swing-Rhythmen sind besonders eingängig. Kann ich bestätigen. Also das mit dem Swing. Kleine interessante Zusammenfassung einer interessanten Forschung. Und sie zeigt auch: das kann mensch lernen, das Tanzen.

The Duke and The Queen

Anlässlich des Todes von Queen Elizabeth II 2022: 1958 trafen Edward Kennedy Ellington und Elizabeth Alexandra Mary Windsor bei einem Kunstfestivals in Leeds aufeinander. "The Duke" komponierte daraufhin diese Suite für "The Queen". Einen Moment inne halten und sich die Zeit nehmen, zuzuhören - auch wenn es kein Swing ist. In Ellingtons Spätwerk finden sich einige Stücke, die eher an Klassik, als an Swing angelehnt sind.

Brettspiele Swingtanz-related

Habt ihr auch noch andere Hobbys? Also außer Swingtanz natürlich. Bei mir kommen regelmäßig Brettspiele auf den Tisch. Auch in dieser anderen Welt kommen Swingtanz related Themen vor. Wie wäre es bspw. mit dem Spiel "Lindy Hop - Get in Rhythm to have the best dance of the Night"?  Das Spiel ist hier auf der Seite von boardgamegeek verlinkt. Wenn ihr schon mal da seid, könnt ihr noch nach "Carnegie", "Pocket Quizz Jazz", "Lindy Hop Off", "1923 Cotton Club" oder "Jazz Nights 54" schauen. Vielleicht findet ihr ein schönes Geburtstags- oder Einfach-so-Geschenk für eine:n Swingtänzer:in?

Shim Sham

Der Shim Sham ist eine Jazzroutine, die fast alle Swingtanzenden kennen. Ursprünglich handelt es sich um eine Stepptanzroutine und ist mittlerweile einhundert Jahre alt. Es gibt unzählige Mitschnitte von großartigen Tänzerinnen und Tänzern, Tanzgruppen around the world und eine ganz spezielle Version von Frankie Manning, einem der Lindy Hop-Elders und seinem Sohn Chazz Young. Diesen Reihentanz sollten alle Swingtanzenden kennen. Shim Sham wird häufig zu Jimmy Luncefords "T´aint what you do" getanzt. Also wenn ihr bei einem Workshop seid und der Song losgeht: ab auf die Tanzfläche!


Everybody loves my Baby

Waaaas? Ihr seid schlecht drauf? Dann schnell einen fröhlichen Swingsong hören! Wie wäre es mit "Everybody loves my baby"? Dieser Jazzstandard ist über einhundert Jahre alt. Bereits im Erscheinungsjahr - 1924 - wurde er von Louis Armstrong gecovert. Aufstehen und tanzen lautet die Devise - tanzt die schlechte Laune einfach weg ;o)

Eine schöne Charleston-Version des Songs "Everybody loves my Baby" findet sich auf dem Soundrack der Serie "Boardwalk Empire" und stammt von Vince Giordano & The Nighthawks. Ist euch auch schon aufgefallen, dass Neo-Swing-Bands und Bands, die heutzutage Swingjazz spielen sehr häufig ziemlich lustige Namen haben? Squirrel Nut Zippers, Big Bad Voodoo Daddy, Meschiya Lake & The Little Big Horns, Lavay Smith & Her Red Hot Skillet Lickers...

Meine Lieblingsversion dieses über 100 Jahre alten Jazzstandards ist allerdings von Alberta Hunter. Schön schmelzig-knartschig. Alberta Hunter ist neben Lil Armstrong eine der wenigen Frauen, von denen wir heute wissen, wie wichtig sie für die Entwicklung des Jazz waren. Hunter schrieb u.a. den Song "Down hearted Blues" - ein Song, der von der unvergleichlichen Bessie Smith interpretiert wurde. Beide - "Everybody loves my Baby" als auch "Down hearted Blues" gehören heute zu den Standards.

Richtig viele Standards findet ihr in dieser Playlist. Hört gerne mal rein. Nicht alle sind tanzbar, einige knatschen und knirschen - aber alle sind wunderbar!

Schwarz-weiß-Foto von Lillian Armstrong
Schwarz-weiß-Foto von Lillian und Louis Armstrong die zusammen herzlich lachen
Schwarz-weiß-Foto von Lillian Armstrong in einer lachenden Pose
Schwarz-weiß-Foto von Lillian Armstrong die sich gerade zur Person dreht, die das Foto aufnimmt

Louis Armstrongs zweite Frau Lillian Hardin Armstrong hatte einen nicht unerheblichen Anteil an Louis´ Karriere und außerdem bereits selbst eine erfolgreiche Karriere hinter sich, bevor sie ihren Mann traf. Unbestätigten Gerüchten zufolge hat Lil die Footwork-Variation Suzie Q erfunden. Nach der Scheidung von Louis hatte sie noch eine Jahrzehnte andauernde Karriere. Sie war nicht die einzige Frau im Jazz, denn neben Lil gab es unzählige weitere Frauen, die die Geschichte des Jazz maßgeblich beeinflusst haben. In dem Artikel "The Women who changed Jazz" findet ihr neben Lil auch Hazel Scott (Pianistin) oder Valaida Snow - Queen of the Trumpet (Trompeterin). Im ersten Link findet ihr eine virtuelle Ausstellung zu Lucille Wilson Armstrong, der vierten Ehefrau von Louis. Viel Spaß beim Lesen!

There`ll be some changes made

Der Jazzstandard "There`ll be some changes made" stammt schon aus dem Jahre 1921. Im Laufe der letzten hundert Jahre wurde er oft neu interpretiert. Hier eine kleine Auswahl.


Welche Version gefällt euch am besten?

Benny Goodman

1941 erreichte Benny Goodman mit dem Song die Nr. 1 der US-Charts. Er ist einer von 16 Nr. 1-Hits. Wenn ich an Benny Goodman denke, kommt mir natürlich immer das Konzert in Carnegie Hall in den Sinn. Es machte Jazz 1938 über Nacht "salonfähig". Vor allem bei der weißen Zuhörerschaft. Diese Version von "There´ll be some changes made" ist wundervoll leise swingend und mit dem Gesang von Louise Tobin. Zurücklehnen und genießen ist angesagt:

Diahann Carroll

Häufig zeichnen sich weitere Versionen eines Jazzstandards dadurch aus, dass sie nicht nur im Stil etwas anders sind, sondern auch die Schnelligkeit variieren. In diesem Fall trifft das nicht ganz zu, denn die Version von Diahann Carroll ist exakt so schnell wie die von Benny Goodmann, sie klingt allerdings deutlich fröhlicher. Die in Harlem/New York aufgewachsene Diahann Carroll war Sängerin und Schauspielerin und spielte u.a. in der Verfilmung von "Porgy & Bess" von 1959 mit.

Peggy Lee

Noch fröhlicher und deutlich schneller ist diese Version von Peggy Lee. Ich lasse mich dazu hinreißen, diese Version als Popswing zu bezeichnen. Was meint ihr?
Peggy Lee war Sängerin und Schauspielerin. Auch sie war als Songschreiberin aktiv - und erfolgreich.

Kathy Brier

Und schließlich eine Version von Kathy Brier, die ihr auf dem Soundtrack von Boardwalk Empire (zusammen mit weiteren ziemlich tollen Songs!) findet. Sie klingt sehr nach Charleston. Momentan ist das meine absolute Lieblingsversion. Dass Swing, Jazz, Blues, Charleston immer wieder in Filmen und Serien zu hören ist, spricht für die Zeitlosigkeit dieser Musik.

Irgendwann habe ich mal angefangen, alle Songs, die mir in Filmen und Serien begegnen, zu sammeln. Das Ergebnis hört ihr in dieser Playlsit - die vermutlich niemals vollständig sein wird ;o)

Kathy Briers Version von „There´ll be some changes made“ macht euch neugierig auf mehr „Charleston“. Wie  wäre es dann mit einem Podcast:

Goldstaub - Der Zwanziger Jahre Podcast

Die Folgen 6 "Spanische Grippe", 12 "Wie der Jazz nach Europa kam" und 13 "Von Charleston, Hot Jazz, Blues und Swing" oder die Folge 43 über Josephine Baker sind vielleicht am spannendsten - aber ich empfehle den gesamt Podcast!
Diesen absolut hörenswerten Podcast findet ihr hier: 

Schwarzweiß Foto von Sister Rosetta Tharpe die fröhlich lacht und eine e-Gitarre hält
Foto von Sister Rosetta Tharpe und Musikern, im Vordergrund Duke Ellington
Schwarzweiß Foto von Sister Rosetta Tharpe die singend vor einem Haus sitzt und einen weißen Mantel trägt
Foto von Sister Rosetta Tharpe auf einer Bühne in weißem Bühnenkleid mit e-Gitarre
Schwarzweiß Foto von Sister Rosetta Tharpe in betender Pose, die Augen sind geschlossen, ihre e-Gitarre hängt ihr um


„Can´t no man play like me. I play better than a man.“

Have you ever heard of Sister Rosetta Tharpe (20. März 1915 - 9. Oktober 1973)? No?
Das ändern wir jetzt, denn die Godmother of Rock ´n´ Roll inspirierte u.a. Musikerinnen und Musiker wie Little Richard (der wahre Kind of Rock´n´nRoll), Carl Perkins, Tina Turner, Isaac Hayes, Jeery Lee Lewis und Johnny Cash. Auf ihre Musik und ihr Gitarrenspiel berufen sich legendäre Gitarristen wie Eric Clapton, Keith Richards oder Jeff Beck. Sie war schon da, bevor Elvis mit schwarzem Rock´n´Roll Karriere machte, Little Richard das Piano heiß spielte und Johnny Cash seine Gitarre zupfte. Es war Tharpe, die den aufkeimenden Musikstil Rock´n´Roll zu einer internationalen Sensation machte. 

Obwohl Tharpes unverwechselbare Stimme und ihr unkonventioneller Stil Fans anzogen, war es noch Mitte der 1930er Jahre nicht leicht für weibliche Musikerinnen. Weibliche Gitarristen waren selten und noch seltener war eine Musikerin, die sowohl religiöse als auch weltliche Themen verfolgte. Eine Tatsache, die die Gospelgemeinde beunruhigte. Aber Tharpe - jung und innovativ - war entschlossen, weiter mit ihrem Sound zu experimentieren. Ihre Beharrlichkeit und ihr Durchhaltevermögen zahlten sich aus und 1938 wurde sie Mitglied der Cotton Club Revue. Der Cotton Club in New York City wurde während der Prohibition bekannt. Sie war damals erst 23 Jahre alt. Also was für eine Leistung, die nur noch verstärkt wurde, als sie ihre erste Single "Rock Me", eine Fusion aus Gospel und Rock 'n' Roll, zusammen mit drei weiteren Gospelsongs aufnahm: "My Man and I", "That's All" und "Lonesome Road". 

Ihr Spielstil war revolutionär und inspirierte fast jede:n moderne:n Gitarrist:in im eigenen Rock- und Blues-Stil. Tharpe spielte einige verschiedene Gitarren, ist aber am bekanntesten für das Spiel auf ihrer Gibson Les Paul (SG). Sie war eine der ersten, die einen effektiven Overdrive-Sound einsetzte, indem sie ihren kleinen Röhrenverstärker so weit wie möglich aufdrehte und keine Pedale verwendete. Die gab es damals schlicht noch nicht. Bei Tharpes Spielstil ging es um Kraft, Charisma und Selbstvertrauen, der Ton lag größtenteils in ihren Händen. Wenn sie auf ihre Art, Gitarre zu spielen angesprochen wurde, soll sie gesagt haben: „Can´t no man play like me. I play better than a man.“ Ich mag mich ihrem Urteil gerne anschließen.

Unbestreitbar ist die Gospel-, Jazz- und Bluessängerin, die sich auf der Gitarre häufig selbst begleitete eine der Wegbereiterin des Rock ´n´Roll. Die eben genannten Carl Perkins und Jerry Lee Lewis sind wiederum Wegbereiter des Rockabilly, einer (sehr verkürzt dargestellt) Mischung aus Rhythm ´n´ Blues und Country. Little Richard wiederum ist ein Vertreter des sog. New Orleans Sound (wie auch Fats Domino) und entwickelte Rock ´n´ Roll zu dem, was wir heute Rock´n´Roll nennen. Blues und auch Elemente von Countrymusik wiederum beeinflussten, neben vielen weiteren Richtungen, die Entstehung von Jazz und Swing. Wie ihr seht, es ist alles miteinander verwandt.
Sister Rosetta Tharpe wurde zurecht in die Blues Hall of Fame und in die Rock and Roll Hall of Fame aufgenommen.

What is Swing? Conversation with Cat Foley and Digby Fairwether

Als Swingtanzlehrerin bewege ich mich nicht im luftleeren Raum. Ich denke mir keine neuen fancy Moves aus, die eigentlich nichts mehr mit dem ursprünglichen Tanz zu tun haben, um mit Absicht innovativ und modern zu wirken. Alle Swingtanzlehrer:innen haben von anderen gelernt, wurden von anderen inspiriert, übernehmen Figuren, ja, manchmal verändern sie sie auch. Wenn ich tanze, "passiert" mir das auch - es sind meistens die schönsten Momente auf der Tanzfläche, wenn "Bewegung" einfach passiert. Eine Lehrerin von der ich viel gelernt habe ist Cat Foley. Sie lebt und arbeitet hauptsächlich in Großbritannien. Ich könnte euch noch viele weitere Inspirationsquellen nennen (von 1890 bis heute), aber für diesen Post belasse ich es bei Cat, denn sie ist eine der Lehrerinnen, die sich selbst beim Tanzen nicht zu ernst nehmen. Ganz meine Devise :o) Hier verlinke ich für euch ein Gespräch von ihr mit dem Musiker Digby Fairwether zum Thema "What is Swing?"

Welcome to the Savoy - Home of happy Feet

Neulich bin ich über eine Seite gestolpert, auf der das legendäre Savoy in Harlem, New York mit digitalen Methoden virtuell dargestellt ist. Das Savoy war nach Norma Miller: "The first place in the world that black and white walked through the door together (...). They were joined by a simple thing called Swing." Das Savoy gehörte neben den "Big Three" genannten Nachtclubs (Connies Inn, Cotton Club und Small´s Paradise) zu den meist besuchten Lokalitäten in Harlem in den 1930er Jahren. And yes, hier wurde zu Swingmusik getanzt! Anders als bspw. im Cotton Club, in dem Schwarze für Programm sorgten, aber als Angestellte stets den Hintereingang zu nutzen hatten, tanzten hier alle ohne Rassentrennung gemeinsam auf der Tanzfläche.

Jazzgeschichte - Blog

Als ehemalige Wissenschaftlerin freue ich mich immer über Artikel, Blogs, Bücher, die sich auch auf wissenschaftlicher Ebene mit Jazz, Jazzgeschichte, Swingmusik und Swingtänzen beschäftigen. Dass das gar nicht trocken, sondern vielmehr sehr unterhaltsam und informativ sein kann, zeigt Harri Heinila in seinem Blog "authenticjazzdance". 

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Accentuate the positive!

Ein Gedanke aus der Coronazeit, den ich noch immer wichtig finde: 
Corona, Hitzewelle, eingeschränkter Tanzunterricht, keine Socials, keine Konzerte, Urlaube, die ausfallen, Hochzeiten, die nicht stattfinden, Balkonblumen, die die Köpfe hängen lassen... Aber! Solidarische Menschen, Hochzeiten, die dann halt anders stattfinden, Urlaube, die spontan und regional einen deutlich kleineren CO2-Fußabdruck hinterlassen, neue Hobby´s (Welcome to my life, you lovely Strolls), neue Konzertformen, lautes Brummen und Summen zwischen den bienen- und hummelfreundlichen Balkonblumen... Ja, es gibt derzeit auch schöne Sachen. Ich halte es mit Ella Fitzgerald: You gotta accentuate the positive.

Coverfoto Der Vintage Flaneur Zeitschrift

Swing und Widerstand

Wisst ihr, was ein Zoot Suit ist? Habt ihr schon mal von Schlurfkatzen, Flappergirls und Pachucos gehört? Nein? Dann empfehle ich euch den gerade neu erschienenen Vintage Flaneur. Neben dem von mir verfassten Artikel "Swing und Widerstand: Wenn Musik zum Politikum wird"  enthält er u.a.  Artikel zu Ray Collins (ja, der Mensch dessen Konzerte im Knust immer super schnell aufverkauft sind), Elvis Presley und einem Do-it-yourself für selbst gestaltete Budapester. Auf 98 Seiten geht es für moderne Vintage Flaneure around the world.

Bücher 1920er Pin Up Swing Blumen

Sonntage

Es gibt viele Socialdanceveranstaltungen, die ich ich aufgrund ihrer je spezifischen Atmosphäre gerne besuchte. Gerade an Sonntagnachmittagen sind die Veranstaltungen besonders entspannt. Vor allem, wenn auch noch die Sonne scheint. Dann kann mensch sich aussuchen, in der jeweiligen Lokalität oder auf dem Fußweg davor zu tanzen. Das Stück Kuchen in der Lokalität zu essen - oder draußen vor der Tür, während von drinnen die feinste Swingmusik herauswabert und die Sonne ins Gesicht scheint. 
Was also tun, wenn es zwar wieder Sonntag ist, es aber keine Tanzveranstaltung gibt? Irgendetwas, das mit Swingtanz zu tun hat! Mal wieder Shim Sham üben (geht ja prima alleine im Wohnzimmer), einen weiteren Stroll üben (geht ebenfalls prima alleine im Wohnzimmer), einfach so Musik hören oder lesen. Lesen geht immer.
Wenn es sich dann um wahlweise witzige, interessante, kritische, spannende, erheiternde oder anregende Lektüre zu einem Thema bzgl. der 1920er bis 1950er handelt, kann ich Stunden mit ihr verbringen.

Ein paar Rechercheideen gefällig? Jazz, Swing, Tanz, Swingtanz, Mode, Blues, Frauen, Wandel von Berufen, Arbeitswelten, Traditionen, Jazzmusiker:innen, Sänger:innen, die ersten Musikaufnahmen, Segregation, Integration, Widerstand...
Neulich habe ich ein Boulevard-Blättchen entdeckt, das sich "Yours Retro" nennt. Das journalistische Niveau ist nicht gerade hoch, kritische Berichterstattung sieht anders aus. Aber egal, für einige sehr erheiternde Momente lässt sich die aktuelle Weltlage einfach vergessen.
Wirklich inspirierend finde ich Geschichten über Frauen, die schon vor 100 Jahren trotz tradierter und patriarchalischer Gesellschaftsstrukturen ihren Weg gingen. Und so durfte heute neben (erfundenem) Klatsch und Tratsch ein kleiner Einblick in die Leben von Josephine Baker und Dorothy Parker nicht fehlen.

Hier auf meiner Homepage findet ihr unten auf der Seite "Swing" einiges an Lektüre. Vielleicht lasse ich mich gegen eine "Verleihgebühr" in Form eines Tanzversprechens zu nächster Gelegenheit dazu hinreißen, eines meiner Bücher zu verleihen. Probier es mal aus.

Bücher und Zeitschriften zu Swing und Frauen in den 1920er Jahren

Du denkst, du machst dich beim Tanzen womöglich zur/zum Idiot:in? Genau das solltest du tun! The importance to dance like an idiot:

(Das ist wirklich ernst gemeint ;o))

Ausschnitt eines Artikels aus dem Vintage Flaneur über die Swingtanzszene

Die Swingtanzszene

In der Ausgabe 39 des Vintage Flaneur habe ich 2020 meinen ersten Artikel nach der Wissenschaft veröffentlichen dürfen. Er befasste sich mit der Swingtanzszene nicht nur in Hamburg und Deutschland, sondern auch auf internationaler Ebene. Außerdem schlägt er eine Brücke zu den Swings während der Zeit des Nationalsozialismus. Nach diesem Artikel folgten noch zwei weitere im Flaneur.

Plenty more? Yes, plenty more!

Nachdem diese Homepage 2020 online ging, habe ich lange überlegt, ob ich noch so eine Art Blog oder Informationsseite hinzufügen soll. Schließlich gibt es noch so viel mehr rund um das Thema Swingmusik und Swingtanz. Wenn ich Lindy Hop oder einen anderen Swingtanz unterrichte, ist es mir ein wichtiges Anliegen, nicht nur den Tanz ansich, also die entsprechende Technik und Figuren zu vermitteln. Denn dort geht es schon los - warum gibt es  Figuren, die "Shorty George" oder "Suzie Q" heißen?
Jeder Tanz und jede Musik hat eine Geschichte, eine Kultur oder auch mehrere Kulturen, aus denen sie entstanden, in denen sie eingebettet sind und die sie weiter formen. Sie werden von einer Vielzahl an Menschen, Erlebnissen und Geschichtsereignissen geprägt. Die Genese des Jazz und damit der Swingmusik wäre wohl anders verlaufen, wenn es versklavten Menschen in New Orleans zu Zeiten der 

spanischen Herrschaft/ Kolonialmacht nicht möglich gewesen wäre, sich (wenigstens) sonntags auf dem Congo Square zu treffen, um zu kommunizieren und musizieren.
Oder wenn die sog. Jim-Crow-Gesetze (Segregation und institutionalisierter Rassismus) schwarze Musiker:innen nicht dazu veranlasst hätten, die südlichen Staaten der USA zu verlassen und bspw. in den Norden nach Chicago zu gehen und dort zu musizieren.
Wer weiter eintauchen will in Swingmusik und ihre Geschichte, in die Swingcommunities, das Lebensgefühl rund um Lindy Hop, Charleston und Co., ist herzlich eingeladen, hier immer mal wieder vorbeizuschauen. Ich fülle diese Seite(n) regelmäßig unregelmäßig mit bewegten Bildern, Gedanken und Informationen. In über 120 Jahren Jazz und Swingmusik kommt so einiges zusammen. Plenty more!

20.02.2020

"Plenty more" ist ein Song von den Squirrel Nut Zippers. Die Squirrel Nut Zippers spielen so genannten Neoswing, der ab Ende der 1980er Jahre entstand. Im Neoswing fließen neben weiteren Musikrichtungen bspw. auch Punk- und  Rockmusik mit ein. So manch ein Jazzstandard wurde aufpoliert und neuinterpretiert.

Buntstiftzeichnung von Melanie aka Backsteinswing die in weiter Hose und bunt gestreiftem Shirt fröhlich zu Swingmusik tanzt
Buntstiftzeichnung eines Tanzpaares, sie tanzen die Swingtanzfigur Tuck Out und haben Vintagekleidung an
Buntstiftzeichnung eines weiblichen Tanzpaares in Vintagekleidung, das fröhlich zu Swingmusik tanzt

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